EM-Bronze für Elisabeth Seitz

Mit zwei Medaillen im Gepäck sind die deutschen Turner von der Europameisterschaft in Cluj (Rumänien) zurückgekehrt. Eine davon ging an Elisabeth Seitz (MTV Stuttgart) aus dem Kunst-Turn-Forum Stuttgart. Sie holte sich Bronze am Stufenbarren. Am Barren sicherte sich Lukas Dauser (TSV Unterhaching) Silber.

"Ich brauche nicht enttäuscht zu sein", erklärte Elisabeth Seitz nach dem Erfolg, um den sie bis zur letzten Übung zittern musste. Zwar war sie als Beste aus dem Vorkampf in die Entscheidung gegangen, doch dort hatte sie diesmal die direkte Verbindung zwischen dem Hindorff und dem Pak-Salto weggelassen. Das kostete die Stuttgarterin zwei Zehntel in der Schwierigkeit (5,9); zudem machte sie auch noch einen Schritt nach dem Abgang. 14,133 Punkte reichten zu einem geteilten Rang drei mit der Britin Elissa Downie und hinter der Belgierin Nina Derwael (14,633) sowie der Russin Elena Eremina (14,30). "Überaus erfreulich, dass wir nun mit Elisabeth die erste Medaille nach den erfolgreichen Mehrkampfplätzen sowohl bei den Frauen als auch bei den Männern gewinnen", erklärte DTB-Präsident Alfons Hölzl.

Die Medaille war umso wertvoller, da die Olympiavierte nach einer Fußoperation im Herbst und einem Berufspraktikum erst Ende Februar wieder richtig ins Training eingestiegen war und sich den EM-Platz danach hart erarbeiten musste. "Ihr wurde dabei nichts geschenkt", erklärte Bundestrainerin Ulla Koch.

Kim Bui Fünfte im Mehrkampf

Im Mehrkampffinale sorgten Kim Bui (MTV Stuttgart) und Lukas Dauser auf den Plätzen fünf und sieben für die besten Ergebnisse aus deutscher Sicht.

Weltcup-Siegerin Tabea Alt (MTV Ludwigsburg) hatte im Vorfeld passen müssen. Die 17-jährige Schwäbin lag schon vor der Qualifikation krankheitsbedingt flach und stellte beim Einturnen fest, dass die Energie für einen weiteren Auftritt im Vierkampf nicht reichen würde. "Todtraurig" sagte die Vorkampfdritte den Start ab und machte damit Platz für die Chemnitzerin Pauline Schäfer.

Bui glänzte mit einem fast fehlerfreien Wettkampf und erntete dafür großes Lob von Bundestrainerin Ulla Koch. "Gigantisch" sei das gewesen. Und dass sich "die junge Generation" die erfahrene Olympiateilnehmerin zum Vorbild nehmen solle. Bui selbst zeigte sich mit ihrer Leistung und den eingeturnten 53,499 Punkten "sehr zufrieden".

Schäfer musste derweil am Barren absteigen und sich am Boden nach einer akrobatischen Reihe mit einer Hand abstützen, freute sich aber, bei ihrem 20. Platz mit 50,998 Zählern darüber, mit einer starken Übung am Balken (13,766) ihr Können an diesem Gerät noch einmal bewiesen zu haben.

Bei den Männern hatte auch der Berliner Philipp Herder als Zehnter mit 81,305 Punkten und einer konstanten Leistung den erhofften Sprung in die Top Ten geschafft, ärgerte sich jedoch ein wenig darüber, anders als in der Qualifikation hinter Dauser gelandet zu sein. "Aber im Normalfall ist er besser", so der 24-Jährige.

Sein Trainingskollege selbst zeigte sich "sehr zufrieden" mit dem mit wenigen kleineren Fehlern behafteten Auftritt und freute sich, mit 82,199 Punkten gleich drei Plätze besser als in der Qualifikation gewesen zu sein.

Silber für Dauser

Nicht ganz zufrieden war die Stuttgarterin Kim Bui mit ihrem Vortrag im Stufenbarrenfinale, für den sie 13,90 Punkte erhielt. "Das war die schlechteste meiner drei Übungen hier. Aber ich habe ja auch schon zwei Mehrkämpfe hinter mir. Deshalb passt das", sagte die Stuttgarterin, die ein paar Haltungsfehler hatte und beim Abgang erneut ganz dicht am oberen Holm vorbeiflog.

Der 23-jährige Lukas Dauser war in der Final-Entscheidung als Sechster an den Barren gegangen, zeigte erneut eine sehr saubere Kür und leistete sich nur einen kleinen Standfehler. Mit 15,366 Punkten übernahm er die zwischenzeitliche Führung, und allein Olympiasieger Oleg Verniaiev war als letzter Starter mit 15,466 Punkten noch einen Hauch besser. "Seit 2013 habe ich auf diesen Moment hingearbeitet", erklärte Dauser. Damals war er aus der Juniorenklasse herausgewachsen und absolvierte sein erstes Jahr bei den "Großen". "Ich wollte immer in so ein Finale kommen und dann sehen, was darin geht."

Der Olympiazweite Marcel Nguyen, der im Kunst-Turn-Forum Stuttgart trainiert, landete nach einer Unsicherheit zu Beginn seines Vortrags mit 14,80 Punkten auf Rang sechs. "Wenn mir das passiert, dann ist die Übung eigentlich gelaufen", erklärte der frühere Europameister, der mit einem Riss in der Hand angetreten war. "Aber ich gönne die Medaille keinem hier mehr als Lukas."

DTB-Frauen sieben Mal im Finale

Die deutschen Frauen konnten am letzten Wettkampftag zwar kein Edelmetall mehr gewinnen; allen voran Kim Bui lieferte aber erneut eine tolle Leistung ab. In ihrem ersten internationalen Finale am Boden wurde die Stuttgarterin mit 13,566 Punkten Vierte und zeigte sich "einfach nur happy". Zwar "sieht man bei so einer Platzierung nach vorne", so die 28-Jährige. Aber schließlich habe sie die Entscheidung nur als Siebte erreicht.

Auch die Chemnitzerin Pauline Schäfer freute sich als Sechste mit 13,533 Punkten über einen versöhnlichen Abschluss ihrer "turbulenten Titelkämpfe", bei denen sie erst ohne und dann mit zwei Finalplätzen da stand. Cheftrainerin Ulla Koch war "sehr zufrieden mit den Turnerinnen".

Allein bei Tabea Alt lief es nicht nach Wunsch. Noch geschwächt von ihrer Krankheit war die Ludwigsburgerin ins Balkenfinale gegangen und musste zweimal absteigen. "Ich war nicht hundertprozentig fit", erklärte sie danach. "Aber ich bin stolz, dass ich es versucht habe."

DTB-Präsident Alfons Hölzl zog ein positives Resümee der EM: "Wir haben tolle Ergebnisse in der Qualifikation gehabt, und auch die Mehrkampfresultate verdienen Anerkennung. Es freut mich besonders, dass wir im weiblichen wie auch männlichen Bereich eine Medaille errungen haben. Natürlich tut es mir leid für Turner wie Marcel Nguyen oder auch Tabea Alt, aber solche Dinge passieren nun mal im Sport."   

 

 

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